Wehrpflicht unabdingbar für die Sicherheit Österreichs
Gleich mehrere Organisationen luden am 28. Oktober 2008 zu einem
höchst interessanten und brisanten wehrpolitischen Abend in das
Offizierskasino der Salzburger Schwarzenbergkaserne ein. Neben dem
Militärkommando Salzburg, der Salzburger Offiziersgesellschaft, dem
Bitclub Salzburg und Rotary Hallein Sbg. Süd lud auch der VÖWA
Landesgruppe Salzburg seine Mitglieder ein, sich über die Thematik "Ist
die Wehrpflicht noch zeitgemäss" aus erster und profunder
Hand zu informieren. Wer konnte zu diesem Thema besser referieren als
Oberst des Generalstabes MMag. Dr. Andreas Stupka, ehemaliger
Chefredakteur der Österreichischen Militärischen Zeitschrift und aktuell
Institutsleiter Human- und Sozialwissenschaften an der
Landesverteidigungsakademie.

Schon zu beginn des hochinteressanten und sicherheitspolitisch
brisanten Vortrages beantwortete der Referent die im Titel gestellte Frage
mit einem eindeutigen "JA".
Schon Hegel meinte, „alle seien aufgerufen, das gemeinsam Geschaffene
zu verteidigen.“ Die Geschichte hat gezeigt, dass Berufsheere
zahlenmäßig zu schwach sind, um im Ernstfall in der Landesverteidigung
erfolgreich zu sein (zB Schlacht von Jena und Auerstedt, Preussen gg.
Frankreich). Außerdem sind Berufssoldaten meist nicht im gleichen Ausmaß
motivierbar, die Gefahr einer politischen Manipulierbarkeit ist gegeben.
Wehrpflicht ist heutzutage negativ besetzt, da in der „Spaßgesellschaft“
nur mehr wenige an Gemeinwohl denken und die meisten nur an das, was ihnen
persönlich nützt. Langfristig gesehen ist ein Berufsheer auch nicht
billiger als ein Modell mit allgemeiner Wehrpflicht, wie eine deutsche
Studie zeigt.
Oberst Dr. Stupka bietet ein Lösungsmodell „Schwert und Schild“
an: Schwert, gemeint ein Freiwilligenheer auf EU-Ebene als
Interventionsstreitkraft (Battlegroups, z. Zt. 60.000 Mann), das
allerdings nicht als Verteidigungsheer der EU tauglich ist. Schild,
die allgemeine Wehrpflicht zur Heimatverteidigung, nationalstaatlich
organisiert. Für Österreich soll die Wehrpflicht erhalten bleiben,
allerdings soll ihr auch Sinn gegeben werden; jeder Wehrpflichtige hat das
Recht als Soldat ausgebildet zu werden! Die Verwendung von Rekruten als
Systemerhalter ist kontraproduktiv und demotivierend.
"Wehrrecht" ist ein Grundrecht jedes Staatsbürgers.
Fazit: Ein brillianter Vortrag, sachliche Logik gepaart mit profunder
Kenntnis der (Militär-) Geschichte liess sicher so manchen Zuhörer /
Zuhörerin hellhörig und nachdenklich werden. Sind wir hier in
Österreich, in Europa auf dem gleichen Weg der Dekadenz wie einst das
alte (und sich sicher glaubende) Spätrömische Reich? Wer garantiert vor
dem Hintergrund des auch von kaum einem Experten vorhergesagten Chaos in
der Weltwirtschaft nach dem Platzen der "Immobilienblase" in den
USA (verursacht durch schrankenloses, von den Politikern geduldetes
Spekulantentum) weiter dafür, dass die von österreichischen /
europäischen Experten progonstizierte stabile Sicherheitslage die
nächsten 10 Jahre andauert? (siehe Bericht der
"Zilk-Kommision")? Wer bitte soll im Falle eines ähnlichen
Hochwassers wie 2002 (gemäss Klimaprognosen sehr wahrscheinlich)
Katastrophenhilfe leisten wenn zahlenmässig gewaltig abgespeckt wird und
bestehende (Miliz-) Strukturen ausgehungert oder gar zerschlagen werden? Die Miliz könnte
bald endgültig
Geschichte sein, die Berufssoldaten befinden sich im Tschad oder auf einer
anderen Mission irgendwo in der Fremde....Armes Österreich...
Hier gilt es, als überzeugter Österreicher und Europäer warnend den
Finger zu erheben und unsere Volksvertreter eindringlich daran zu
erinnern, endlich umzusetzen, was im Bericht ÖBH 2010 (Zilk-Kommission)
fundiert belegt und gefordert wird. Und in die jeweiligen
Regierungsprogramme aufgenommen wurde und von den meisten Politikern immer
auch in Sonntagsreden betont wird. Nämlich adäquate finanzielle Mittel,
um die Sicherheit unseres Landes nicht aufs Spiel zu setzen! Denn der
momentane Friede kann auch trügerisch sein.
Dem
österreichischen Bundesheer ist zu wünschen, dass in der kommenden
Legislaturperiode der Sicherheit des Landes wieder mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird und
ein neuer Verteidigungsminister mit
mehr "Herzblut" und Fachwissen die Sicherheit des Landes
verantwortet.
(Quelle: Eigenbericht bzw. Vöwa LG
Salzburg)